Essen wir mehr, wenn Lebensmittel stark verarbeitet sind?

6 Min. Lesezeit · Studien-Erklärung · Quellen

Die Frage

Macht es für die Menge, die wir essen, einen Unterschied, wie stark Lebensmittel verarbeitet sind?

Kurze Antwort

In einer streng kontrollierten Studie aßen dieselben Menschen bei stark verarbeiteter Kost im Schnitt rund 500 pro Tag mehr – obwohl beide Kostformen gleich viele Nährstoffe anboten und alle so viel essen durften, wie sie wollten .

+508
kcal pro Tag mehr gegessen bei stark verarbeiteter Kost
20
Erwachsene, jede Person probierte beide Kostformen
2 × 14
Tage auf einer Klinikstation
1

So wurde es untersucht

Wer

20 Erwachsene

Wie lange

4 Wochen

Wo

Stoffwechselstation einer Klinik

Verglichen wurden:

2 Wochen

z. B. Fertigprodukte, abgepackte Snacks

vs.

2 Wochen unverarbeitet

z. B. frisches Gemüse, Obst, selbst Gekochtes

Die Reihenfolge wurde ausgelost. Beide Kostformen boten gleich viel Energie, Zucker, Fett, Salz und Ballaststoffe an. Gegessen werden durfte nach Belieben.

Quelle zum Studienaufbau:

2

Das Ergebnis

In Worten: Bei stark verarbeiteter Kost wurden im Schnitt 508 pro Tag mehr gegessen. Das ist ein Unterschied zwischen zwei Kostformen – nicht die Gesamtmenge, die gegessen wurde.

Eigene Darstellung

So viel mehr wurde gegessen

Unterschied der täglich gegessenen Energie zwischen den beiden Kostformen

Fehlerbalken: ± ()

Kontext: 20 Erwachsene, je 14 Tage pro Kostform, kontrollierte Klinikumgebung.

Eigene Darstellung auf Grundlage von . Werte aus Summary / Abstract der Originalstudie übernommen. doi:10.1016/j.cmet.2019.05.008

So liest du die Grafik: Der Balken zeigt den Unterschied. Die schwarze Linie zeigt, wie genau dieser Wert geschätzt ist ().

In Worten: In der stark verarbeiteten Phase nahmen die Teilnehmenden im Schnitt knapp 1 kg zu, in der unverarbeiteten Phase knapp 1 kg ab.

Eigene Darstellung

Was passierte mit dem Gewicht?

Veränderung des Körpergewichts nach jeweils 14 Tagen

Fehlerbalken: ± ()

Kontext: Dieselben 20 Personen in beiden Phasen.

Eigene Darstellung auf Grundlage von . Werte aus Summary / Abstract der Originalstudie übernommen. doi:10.1016/j.cmet.2019.05.008

So liest du die Grafik: Balken nach rechts = Zunahme, nach links = Abnahme.

3

Wie sicher ist das?

Was für die Studie spricht

  • Jede Person war ihre eigene Vergleichsperson.
  • Es wurde genau gemessen, was gegessen wurde – nicht nachgefragt.
  • Die Reihenfolge der Kostformen wurde ausgelost.

Wo die Grenzen liegen

  • Nur 20 Personen und nur je 2 Wochen.
  • Eine Klinikstation ist kein normaler Alltag.
  • Die Teilnehmenden wussten, was sie aßen.
  • Getestet wurde eine bestimmte Auswahl an Lebensmitteln.

Das heißt nicht, dass …

  • Nicht jedes verarbeitete Lebensmittel ist ungesund – auch Tiefkühlgemüse oder Vollkornbrot sind verarbeitet.
  • Man kann die 508 nicht einfach auf Monate hochrechnen.
  • Die Studie sagt nichts über Willenskraft aus – sie zeigt, dass das Angebot selbst mitbestimmt, wie viel gegessen wird.
4

Und im Alltag?

Wenn man manchmal mehr isst als geplant, liegt das nicht nur an einem selbst – auch das Essen spielt mit. Verbote braucht es dafür nicht. Es kann aber helfen, darauf zu achten, wie unterschiedlich Mahlzeiten satt machen.

Was die Forschung noch klären muss

  • Warum genau wird mehr gegessen? Vermutet werden z. B. Essgeschwindigkeit oder Textur – geprüft ist das nicht.
  • Zeigt sich der Effekt auch über Monate im Alltag?

Selbsterfahrung · geführte Übungen

Ein Moment für dich

Eine Pause im Alltag – ohne Vorgaben für Essen, Körper oder Gewicht.

01

Im Moment ankommen

Gegenwärtige Erfahrung

Eine kurze Meditation für einen bewussten Moment zwischen Alltag, Lernen oder Arbeit.

Passt im Alltag zu: Bei einem Übergang im Alltag, etwa nach der Arbeit oder vor dem Essen: kurz die Umgebung und die aktuelle Körperhaltung wahrnehmen – ohne Vorgaben für Essen, Gewicht oder Gefühle.

Grenzen: Diese Pause ist kein Programm gegen emotionales Essen und keine Ernährungsbehandlung. Wenn Körperwahrnehmung unangenehm ist, richte den Blick nach außen oder höre auf.

Quellen und Aussagegrenzen

Eine Laborstudie zeigt, dass Stress und Essverhalten nicht bei allen Menschen gleich zusammenhängen: Die gesamte Nahrungsaufnahme unterschied sich nicht , einzelne Lebensmittel wurden bei Personen mit emotionalem Essverhalten unter Stress häufiger gegessen . Sie untersucht keine achtsame Pause und belegt keine Wirkung dieser Aufnahme auf Appetit oder Gewicht.

  • Oliver, G., Wardle, J., & Gibson, E. L. (2000). Stress and food choice: a laboratory study. Psychosomatic Medicine, 62(6), 853–865. https://doi.org/10.1097/00006842-200011000-00016Studienaufbau und Grenzen ansehen →

Nicht belegt: Die konkrete Aufnahme wurde in den genannten Studien nicht untersucht. Versprechen einer gesundheitlichen oder therapeutischen Wirkung wären unbelegt.

ca. 3 MinutenKI-Stimme

Freiwillige Erfahrungsübungen, keine Behandlung. Du darfst jederzeit aufhören.

Alle Meditationen ansehen

Zum Nachschlagen

Begriffe einfach erklärt
Hier die untersuchte Kostform mit industriell stark verarbeiteten Produkten. Die Einordnung bezieht sich auf Zusammensetzung und Herstellung, nicht nur die Anzahl der Zutaten.
Es gibt keine vorgeschriebene Essensmenge; Teilnehmende dürfen nach Belieben essen.
Kilokalorien: eine Einheit für Energie, etwa in Lebensmitteln oder beim Energieverbrauch.
RCTDaten mit Originalstudie abgeglichenGreen Open Access / freies Manuskript

Ultra-processed diets cause excess calorie intake and weight gain: An inpatient randomized controlled trial of ad libitum food intake

Hall et al., 2019 · Cell Metabolism

Details
Forschungsfrage
Beeinflusst der Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln die Energieaufnahme, wenn Menschen so viel essen dürfen, wie sie möchten?
Studiendesign
-Studie, stationär (Metabolic Ward, NIH Clinical Center)
Population
Gewichtsstabile Erwachsene, Alter (Mittelwert ± ) 31,2 ± 1,6 Jahre, BMI 27 ± 1,5 kg/m²
Stichprobe
20
Dauer
2 × 14 Tage (je Ernährungsbedingung), direkt nacheinander
Intervention
Stark verarbeitete (ultra-processed) Ernährung,
Vergleich
Unverarbeitete Ernährung, ; Mahlzeiten abgestimmt nach angebotener Energie, Energiedichte, Makronährstoffen, Zucker, Natrium und Ballaststoffen
Primärer Endpunkt
Unterschied der täglichen Ad-libitum-Energieaufnahme zwischen den Bedingungen
Weitere Endpunkte
Körpergewicht, Makronährstoffaufnahme u. a.
Ergebnisse
  • Energieaufnahme während der stark verarbeiteten Bedingung höher: 508 ± 106 /Tag (Mittelwert ± ; p = 0,0001).
  • Mehr Kohlenhydrate (280 ± 54 /Tag) und Fett (230 ± 53 /Tag), kein Unterschied bei (−2 ± 12 /Tag; p = 0,85).
  • Gewicht: +0,9 ± 0,3 kg während der stark verarbeiteten, −0,9 ± 0,3 kg während der unverarbeiteten Bedingung.
Limitationen
  • Kleine (20 Personen) und kurze Dauer (je 2 Wochen).
  • Stationäre Laborumgebung: Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Alltag übertragen.
  • Teilnehmende wussten, welche Ernährung sie erhielten (keine Verblindung möglich).
  • Untersucht wurde ein bestimmtes Set an Lebensmitteln – nicht „verarbeitete Lebensmittel“ insgesamt.
Finanzierung
In der vorliegenden Quellenprüfung nicht dokumentiert
Interessenkonflikte
In der vorliegenden Quellenprüfung nicht dokumentiert
Korrekturen
PubMed
In der vorliegenden Quellenprüfung nicht dokumentiert
Quelldatei
HP_3.pdf (Verlagsversion inkl. Korrekturen); HP_7.pdf / HP_8.pdf (Autor:innenmanuskript, identisch)

APA 7Hall, K. D., Ayuketah, A., Brychta, R., Cai, H., Cassimatis, T., Chen, K. Y., Chung, S. T., Costa, E., Courville, A., Darcey, V., Fletcher, L. A., Forde, C. G., Gharib, A. M., Guo, J., Howard, R., Joseph, P. V., McGehee, S., Ouwerkerk, R., Raisinger, K., . . . Zhou, M. (2019). Ultra-processed diets cause excess calorie intake and weight gain: An inpatient randomized controlled trial of ad libitum food intake. Cell Metabolism, 30(1), 67–77.e3. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2019.05.008

Originalstudie öffnen

Grundlage: 1 Originalstudie. Volltext gelesen, Zahlen mit der Originalstudie abgeglichen. Redaktionelle Freigabe ausstehend.

Literaturverzeichnis

  1. Hall, K. D., Ayuketah, A., Brychta, R., Cai, H., Cassimatis, T., Chen, K. Y., Chung, S. T., Costa, E., Courville, A., Darcey, V., Fletcher, L. A., Forde, C. G., Gharib, A. M., Guo, J., Howard, R., Joseph, P. V., McGehee, S., Ouwerkerk, R., Raisinger, K., . . . Zhou, M. (2019). Ultra-processed diets cause excess calorie intake and weight gain: An inpatient randomized controlled trial of ad libitum food intake. Cell Metabolism, 30(1), 67–77.e3. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2019.05.008

Weiterlesen