Kann Ernährung bei Depression unterstützen?
6 Min. Lesezeit · Studien-Erklärung · Quellen
Die Frage
Hilft eine Ernährungsberatung Menschen mit Depression zusätzlich zu ihrer Behandlung?
Kurze Antwort
In einer kleinen Studie mit 67 Menschen mit Depression ging es der Gruppe mit Ernährungsberatung nach 12 Wochen deutlicher besser als einer Gruppe mit Gesprächsunterstützung . Das ist ein ermutigender Hinweis – aber kein Beweis, dass Ernährung Depression heilt.
- 32 %
- ohne nennenswerte Symptome mit Ernährungsberatung
- 8 %
- ohne nennenswerte Symptome in der Vergleichsgruppe
- 67
- Teilnehmende, 12 Wochen
So wurde es untersucht
Wer
67 Erwachsene mit diagnostizierter Depression
Wie lange
12 Wochen
Wo
Ambulant, zusätzlich zur bestehenden Behandlung
Verglichen wurden:
Ernährungsberatung
7 Termine bei einer Diätassistentin
Gesprächsunterstützung
Gleich viele Termine mit sozialer Unterstützung
Die Gruppen wurden ausgelost. 55 der 67 Personen waren bereits in Psychotherapie oder nahmen Medikamente – das lief weiter.
Quelle zum Studienaufbau:
Das Ergebnis
In Worten: Etwa jede dritte Person mit Ernährungsberatung hatte kaum noch Symptome – in der war es etwa jede zwölfte.
Eigene Darstellung
Wie vielen ging es nach 12 Wochen deutlich besser?
Anteil ohne nennenswerte Symptome (Remission)
Anteil der Teilnehmenden (%)
Kontext: Personen mit vollständigen Daten nach 12 Wochen: 31 bzw. 25.
Eigene Darstellung auf Grundlage von . Werte aus Abstract, Results der Originalstudie übernommen. doi:10.1186/s12916-017-0791-y
So liest du die Grafik: In absoluten Zahlen: 10 von 31 Personen gegenüber 2 von 25. Kleine Zahlen – deshalb ist das Ergebnis unsicher.
Wie sicher ist das?
Was für die Studie spricht
- Gruppen wurden ausgelost.
- Beide Gruppen erhielten ähnlich viel Zuwendung. Das hilft, den Einfluss reiner Gesprächszeit zu begrenzen; unterschiedliche Erwartungen bleiben möglich.
Wo die Grenzen liegen
- Sehr kleine Studie.
- In der fehlten mehr Daten.
- Die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie waren.
Das heißt nicht, dass …
- Die Studie beweist nicht, dass Ernährung Depression heilt.
- Ernährung ersetzt keine Psychotherapie und keine Medikamente.
- Für Menschen ohne Depression sagt die Studie nichts aus.
Und im Alltag?
Ernährung kann ein Baustein unter mehreren sein. Wer depressive Symptome erlebt, verdient professionelle Unterstützung – und keine zusätzlichen Erwartungen an sich selbst.
Was die Forschung noch klären muss
- Bestätigt sich das in größeren Studien?
- Welcher Teil der Beratung hat geholfen?
Selbsterfahrung · geführte Übungen
Ein Moment für dich
Ein bewusster Moment zwischen den verschiedenen Bereichen deines Alltags.
Atem & Aufmerksamkeit
Focused Attention · Konzentration
Den Atem fokussieren, Abschweifen bemerken und die Aufmerksamkeit bewusst zurückbringen.
Passt im Alltag zu: Wenn du zwischen Aufgaben kurz innehalten möchtest: Diese Übung lädt dich ein, den Atem zu beobachten und abschweifende Aufmerksamkeit wieder zurückzuführen.
Grenzen: Du musst dich danach weder konzentrierter noch ruhiger fühlen. Wenn der Atemfokus unangenehm ist, lass die Augen offen, orientiere dich im Raum oder beende die Übung.
Quellen und Aussagegrenzen
Eine Studie prüfte ein vollständiges achtwöchiges -Programm: Blutdruck und Blutdruckreaktivität veränderten sich, für und Herzratenvariabilität wurden keine Effekte gefunden . Das belegt keine Stresssenkung oder Konzentrationsverbesserung durch diese kurze Aufnahme.
- Nyklíček, I., Mommersteeg, P. M. C., Van Beugen, S., Ramakers, C., & Van Boxtel, G. J. (2013). Mindfulness-based stress reduction and physiological activity during acute stress: A randomized controlled trial. Health Psychology, 32(10), 1110–1113. https://doi.org/10.1037/a0032200
Erratum von 2014 betrifft einen Literatureintrag; keine Veränderung der hier eingeordneten Resultate berichtet.
Studienaufbau und Grenzen ansehen →
Nicht belegt: Die konkrete Aufnahme wurde in den genannten Studien nicht untersucht. Versprechen einer gesundheitlichen oder therapeutischen Wirkung wären unbelegt.
Im Moment ankommen
Gegenwärtige Erfahrung
Eine kurze Meditation für einen bewussten Moment zwischen Alltag, Lernen oder Arbeit.
Passt im Alltag zu: Bei einem Übergang im Alltag, etwa nach der Arbeit oder vor dem Essen: kurz die Umgebung und die aktuelle Körperhaltung wahrnehmen – ohne Vorgaben für Essen, Gewicht oder Gefühle.
Grenzen: Diese Pause ist kein Programm gegen emotionales Essen und keine Ernährungsbehandlung. Wenn Körperwahrnehmung unangenehm ist, richte den Blick nach außen oder höre auf.
Quellen und Aussagegrenzen
Eine Laborstudie zeigt, dass Stress und Essverhalten nicht bei allen Menschen gleich zusammenhängen: Die gesamte Nahrungsaufnahme unterschied sich nicht , einzelne Lebensmittel wurden bei Personen mit emotionalem Essverhalten unter Stress häufiger gegessen . Sie untersucht keine achtsame Pause und belegt keine Wirkung dieser Aufnahme auf Appetit oder Gewicht.
- Oliver, G., Wardle, J., & Gibson, E. L. (2000). Stress and food choice: a laboratory study. Psychosomatic Medicine, 62(6), 853–865. https://doi.org/10.1097/00006842-200011000-00016Studienaufbau und Grenzen ansehen →
Nicht belegt: Die konkrete Aufnahme wurde in den genannten Studien nicht untersucht. Versprechen einer gesundheitlichen oder therapeutischen Wirkung wären unbelegt.
Freiwillige Erfahrungsübungen, keine Behandlung. Du darfst jederzeit aufhören.
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Begriffe einfach erklärt
- Beschwerden sind so weit zurückgegangen, dass ein festgelegtes Kriterium erfüllt wird. Das bedeutet nicht automatisch dauerhaft geheilt.
- Eine von Fachleuten bewertete Skala für die Schwere depressiver Symptome. Sie ist kein Selbstdiagnose-Test.
RCTDaten mit Originalstudie abgeglichenGold Open AccessA randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial)
Jacka et al., 2017 · BMC Medicine
Details
A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial)
Jacka et al., 2017 · BMC Medicine
- Forschungsfrage
- Kann eine begleitende Ernährungsberatung die Symptome einer depressiven Episode zusätzlich zur üblichen Behandlung verringern?
- Studiendesign
- 12-wöchige, einfach verblindete, Parallelgruppenstudie; Ernährung als ergänzende (adjunktive)
- Population
- Erwachsene mit mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode; 55 von 67 erhielten bereits Psychotherapie und/oder Medikamente
- Stichprobe
- 67 (Ernährung 33, Kontrolle 34); vollständige Daten nach 12 Wochen: 31 bzw. 25
- Dauer
- 12 Wochen
- Intervention
- Sieben individuelle Ernährungsberatungen durch eine klinische Diätassistentin
- Vergleich
- Soziale Unterstützung im gleichen Terminrhythmus und Umfang
- Primärer Endpunkt
- Depressionssymptomatik () nach 12 Wochen
- Weitere Endpunkte
- ( < 10), Stimmung, Angst
- Ergebnisse
- Stärkere Verbesserung auf der in der Ernährungsgruppe (p < 0,001; Cohen’s d = −1,16).
- : 32,3 % (n = 10) in der Ernährungsgruppe vs. 8,0 % (n = 2) in der (p = 0,028).
- Number needed to treat 4,1 ( 2,3–27,8).
- Limitationen
- Kleine ; sehr breites der NNT.
- Mehr fehlende Daten in der (25 von 34) als in der Ernährungsgruppe (31 von 33).
- Teilnehmende konnten nicht verblindet werden; Erwartungseffekte sind möglich.
- Klinische : keine Übertragung auf die Allgemeinbevölkerung oder auf Prävention.
- Finanzierung
- In der vorliegenden Quellenprüfung nicht dokumentiert
- Interessenkonflikte
- In der vorliegenden Quellenprüfung nicht dokumentiert
- Korrekturen
- Korrektur von 2018 ergänzt zuvor nicht berichtete Rekrutierung über eine Website und ein Medieninterview; relevant für die Einordnung möglicher Auswahl- und Erwartungseffekte. – doi:10.1186/s12916-018-1220-6
- PubMed
- In der vorliegenden Quellenprüfung nicht dokumentiert
- Quelldatei
- HP_2.pdf
APA 7Jacka, F. N., O'Neil, A., Opie, R., Itsiopoulos, C., Cotton, S., Mohebbi, M., Castle, D., Dash, S., Mihalopoulos, C., Chatterton, M. L., Brazionis, L., Dean, O. M., Hodge, A. M., & Berk, M. (2017). A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial). BMC Medicine, 15, Article 23. https://doi.org/10.1186/s12916-017-0791-y
Originalstudie öffnenGrundlage: 1 Originalstudie. Volltext gelesen, Zahlen mit der Originalstudie abgeglichen. Redaktionelle Freigabe ausstehend.
Literaturverzeichnis
- Jacka, F. N., O'Neil, A., Opie, R., Itsiopoulos, C., Cotton, S., Mohebbi, M., Castle, D., Dash, S., Mihalopoulos, C., Chatterton, M. L., Brazionis, L., Dean, O. M., Hodge, A. M., & Berk, M. (2017). A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial). BMC Medicine, 15, Article 23. https://doi.org/10.1186/s12916-017-0791-y
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